Turtle Trading Strategie

Das Turtle-Experiment

Turtle Trading Erfinder Richard Dennis wollte herausfinden, ob die notwendigen Eigenschaften,die einen guten Trader ausmachen, angeboren oder erlernbar sind.

Vielfach wurde schon der folgenden Frage nachgegangen: Ist die Fähigkeit des erfolgreichen Tradings angeboren oder erlernbar?
Es war im Jahr 1983, als der berühmte Future-Spekulant Richard Dennis eine anhaltende Auseinandersetzung mit seinem langjährigen Freund Bill Eckardt über genau diesen Sachverhalt hatte. Richard war der Auffassung, er könne anderen das erfolgreiche Traden beibringen. Bill hingegen hielt die genetische Veranlagung und die Begabung eines Menschen für die entscheidenden Faktoren.

Um die Angelegenheit zu klären, schlug Rich vor, einige Trader zu rekrutieren, sie einzuarbeiten und ihnen ein reales Geldkonto zum Handeln zu überlassen.
Um geeignete Trainees anzuwerben, schalteten sie Stellenanzeigen im Barron’s, im Wall Street Journal und in der New York Times. In den Anzeigenstand, dass nach einer kurzen Einlernphase, den Trainees ein eigenes Geldkonto für die Tradingaktivitäten zur Verfügung gestellt wird.
Da Rich zu der Zeit wohl der weltweit bekannteste Trader war, erhielt er über 1000 Bewerbungen. Davon hat er 80 Kandidaten zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen, wovon letztendlich zehn als Trainees eingestellt wurden. Mit drei weiteren, die Richard Dennis bereits kannte, entstand auf diese Weise eine dreizehnköpfige Gruppe.
Ende Dezember wurden wir nach Chicago eingeladen, zwei Wochen lang in die Turtle-Methode eingewiesen und begannen Anfang Januar mit zunächstgeringfügigen Geldsummen zu handeln. Nachdem wir unser Können unter Beweis gestellt hatten, stellte Dennis uns Anfang Februar finanzielle Mittel in Höhe von 500.000 USD bis 2.000.000 USD zur Verfügung.

Die Trainees bekamen den Namen „Turtles“. (Dennis, der gerade aus Asien zurückgekommen war, als das Trainee-Programm begann, beschrieb sein Vorhaben auf folgende Art und Weise: „Wir ziehen Trader groß, genauso wie sie in Singapore Schildkröten züchten.“ – Stanley W. Angrist, Wall Street Journal 09/05/1989.
Die Turtles wurden zum bekanntesten Experiment in der Geschichte des Tradings. Und das hatte folgenden Grund: Über den Zeitraum von vier Jahren erwirtschafteten wir zusammen eine jährliche Gewinnrate von 80%.
Ja, Rich hat tatsächlich bewiesen, dass Trading erlernbar ist. Er hat bewiesen, dass es mit einem einfachen Regelwerk möglich ist, aus Menschen ohne oder mit nur geringen Erfahrungen im Wertpapiergeschäft exzellente Trader zu machen.
Lesen Sie deshalb weiter, es lohnt sich! In den nachfolgende Ausführungen erfahren Sie die Original Turtle Trading-Rules, die Richard Dennis seinen Trainees übermittelt hat.

Turtle Trading / Bild von Scott auf Pixabay

Ein komplettes Handelssystem

Das Turtle Trading-System ist ein komplettes Handelssystem. Es beinhaltet alle dafür erforderlichen Komponenten: Alle Eventualitäten werden berücksichtigt, so dass keine Freiräume für subjektive Eingriffe des Traders existieren.

Die Komponenten eines kompletten Handelssystems

Ein komplettes Handelssystem liefert in allen möglichen Entscheidungssituationen Handlungsanweisungen, die zu einem erfolgreichen Trading führen:

  • Märkte: Was wird gekauft bzw. verkauft?
  • Positionsgrößenbestimmung: Wie viel soll gekauft bzw. verkaufwerden?
  • Entries: Zu welchem Zeitpunkt soll gekauft bzw. verkauft werden?
  • Stopps: Wann wird eine Verlustposition geschlossen?
  • Exits: Wann wird eine Gewinnposition geschlossen?
  • Strategie: Wie wird gekauft bzw. verkauft?

Ein mechanisches Handelssystem einzusetzen, ist der beste Weg, um im Wertpapierhandel konstant Geld zu verdienen. Wenn sie wissen, dass Ihr System langfristig rentabel ist, ist es viel einfacher, den Handelssignalen zu vertrauen und dem System auch in Verlustphasen zu folgen. Wenn sie sich beim Traden von ihren eigenen Emotionen leiten lassen, werden Sie sich wahrscheinlich falsch entscheiden Sie werden in Situationen ängstlich sein, in denen Mut angebracht gewesen wäre und mutig, wenn sie eigentlich vorsichtig sein sollten.
Wenn Sie ein profitables mechanisches Trading-System haben und diesem äußerst gewissenhaft folgen, wird ihr Trading erfolgreich. Das Handelssystem wird ihnen dabei helfen, die emotionalen Herausforderungen, die in Verlustserien oder bei hohen Gewinnen unvermeidbar sind, zu überstehen.
Das von den Turtles eingesetzte Handelssystem war ein komplettes Trading- System. Dieser Faktor war für unseren Erfolg mit entscheidend. Das System machte es einfacher, konstant und erfolgreich zu Traden, da keine wichtigen Entscheidungen dem subjektiven Ermessen des Traders überlassen wurden. Es ist ein TrendfolgeSystem. Meinen Blogpost dazu hier: 5 grossartige Trendfolge Strategien

Märkte: Was die Turtles gehandelt haben

Die Turtles waren Futures Trader – zum damaligen Zeitpunkt besser bekannt unter Commodities Trader. Sie haben mit Future-Kontrakten an den bedeutendsten U.S.-amerikanischen Future-Börsen gehandelt.

Positionsgrößenbestimmung

Position Sizing ist einer der wichtigsten, aber am wenigsten verstandenen Bestandteile eines jeden Handelssystems.

Die Turtles setzten zur Positionsgrößenbestimmung einen Algorithmus ein, der für seine Zeit sehr fortschrittlich war. Revolutionär war dabei, dass durch die Anpassung der Positionsgröße an die Marktvolatilität des Dollars, eine Normierung der Position an die Dollar Volatilität erreicht wurde. Das hatte folgende Auswirkungen: Falls sich eine bestimmte Position (im Vergleich zu anderen Positionen in anderen Märkten) an einem bestimmten Tag ungefähr um denselben Betrag in Dollar im Wert verändern würde, blieb die Volatilität des Underlyings desselben Marktes davon unberührt.
Das stimmt, denn in Märkten mit hoher Volatilität wird zum Ausgleich der Wertschwankungen eine kleinere Anzahl von Kontrakten im Vergleich zu Märkten mit geringer Volatilität benötigt.
Die Normierung der Volatilität ist äußerst wichtig, da sie dazu führt, dass verschiedene Trades auf unterschiedlichen Märkten nahezu dieselbe Chance auf einen einzelnen Dollar Verlust oder Gewinn haben. Dadurch wird die Wirksamkeit der Risikodiversifikation beim Handel auf vielen Märkten
verstärkt.

Volatiliät – Die Bedeutung der Variablen N

Die von den Turtles eingesetzte Variable, die von Richard Dennis und Bill Eckhardt mit N bezeichnet wurde, beschreibt die Volatilität des Underlyings eines einzelnen Marktes.
N ist dabei einfach der 20-tägige exponentiell gleitende Durchschnitt der True Range – zum heutigen Zeitpunkt allgemein unter der Bezeichnung Average True Range bekannt. Der Ausdruck N beschreibt die durchschnittliche Tagesrange des Kurses, die durch Opening Gaps bedingt werden. Dabei wurde N zu denselben Zeitpunkten gemessen wie die jeweiligen berücksichtigten Werte.

Berechnung der True Range:

True Range = Maximum (H-L,H-PDC,PDC-L)

H – Aktuelles Kurshoch
L – Aktuelles Kurstief
PDC – Schlusskurs / Vortag

Formel zur Berechnung von N

Bestimmung der Dollar Volatilität

Der erste Schritt in der Positionsgrößenbestimmung war die Bestimmung der Dollar Volatilität. Sie wird mit Hilfe der Marktvolatilität des Kurses des Underlyings (beschrieben durch N) berechnet.
Das hört sich komplizierter an, als es tatsächlich ist. Die Berechnung erfolgt anhand der nachfolgenden einfachen Formel:

Dollar Volatilität = N x Dollar pro Punkt

Bestimmung der Position Units

Die Turtles haben ihre Positionen in so genannte Units aufgebaut. Bei der Bildung der Units wurde nach folgender Regel vorgegangen: Ein N steht für ein Prozent des Trading-Eigenkapitals.
Demnach kann für die Berechnung einer Unit für einen bestimmten Markt oder eines Commodities folgende Formel herangezogen werden:

Formel Positions Units

Die Bedeutung der Positionsgrößenbestimmung

Diversifikation stellt den Versuch dar, das Risiko auf unterschiedliche Finanzmarktinstrumente aufzuteilen und so die Gewinnchancen zu erhöhen, indem mehr Gelegenheiten geschaffen werden, erfolgreiche Trades zu erwischen. Eine ausreichende Diversifikation erfordert ähnliche, wenn nicht
sogar identische Positionen bei vielen verschiedenen Finanzprodukten.
Das Turtle System hat die Marktvolatilität zur Bewertung des Risikos, das mit dem jeweiligen Markt verbunden ist, herangezogen. Diese Risikobestimmung diente uns dann als Grundlage für die Bildung von Positionen in einer Höhe, die einer konstanten Risikohöhe (oder Volatilität) entsprachen. Diese Vorgehensweise erhöht die Wirksamkeit der Diversifikation und die
Wahrscheinlichkeit, dass profitreiche Trades Verluste kompensieren.

Units als Risikomaßstab

Seit die Turtles eine Unit als Maßstab für die Positionsgrößenbestimmung eingesetzt haben und deren Anpassung an die Volatilität erfolgt war, fungierte ein Unit sowohl als eine Messgröße für das Risiko einer Position als auch eines ganzes Portfolios von Handelspositionen.
Die Turtles erhielten ein Risiko Management, das auf vier Ebenen die Anzahl der gehandelten Units, die wir zu jedem bestimmten Zeitpunkt halten konnten, beschränkte. Im Wesentlichen gab das Regelwerk das maximale Risiko vor, das ein Trader auf sich nehmen konnte. Diese Beschränkungen minimierten die Verluste sowohl in anhaltenden Verlustperioden als auch bei außerordentlichen
Kursschwankungen.
Ein Beispiel für einen extremen Kurseinbruch war der Tag nach dem Börsencrash 1987. Der U.S. Federal Reserve senkte über Nacht die Zinsen um einige Prozentpunkte, um das Vertrauen in den Aktienmarkt und die Wirtschaft zu fördern. Die Turtles hielten zu dem Zeitpunkt eine Long-Position in Zins- Futures: Eurodollars, TBills und Bonds. Die Verluste am Folgetag waren von enormer Höhe: In einigen Fällen umfasste er 20% bis 40% des gesamten Trading Kapitals an nur einem Tag. Jedoch wären diese Verluste ohne die Positionsobergrenzen entsprechend höher gewesen.

Die Positionsobergrenzen waren wie folgt:

Positionsobergrenzen

Anpassung der Tradinggröße

Es gibt Zeiten, in denen Märkte über viele Monate hinweg keine Trends aufweisen werden. In solchen Perioden ist es möglich, einen bedeutenden Anteil seines Trading-Kontos zu verlieren.
Nachdem hingegen große Gewinne verbucht wurden, spielt man vielleicht mit dem Gedanken, die Höhe des Eigenkapitals, die als Bemessungsgrundlage für die Bestimmung der Positionsgröße dient, anzuheben.

Entries

Der typische Trader denkt im Bezug auf ein bestimmtes Handelssystem hauptsächlich an die Entry-Signale. Viele gehen davon aus, dass der Einstieg der wichtigste Aspekt eines jeden Trading Systems ist.

Viele werden deshalb umso überraschter sein, wenn sie hören, dass die Turtles ein sehr einfaches, auf dem Channel Breakout System von Richard Donchian basierendes Entry System verwendet haben.
Die Turtles bekamen Regeln für zwei verschiedene, aber ähnliche Breakout Systeme, die wir System 1 und 2 nannten. Es lag in unserem vollen Ermessen, wie viel unseres Eigenkapitals wir beiden Systemen zuwiesen. Einige von uns entschieden sich dafür, die Gesamtsumme mit System 2 zu handeln, einige haben beiden Systemen jeweils die Hälfte zugewiesen, während andere von uns
andersartige Aufteilungen bevorzugten.

System 1 – Ein kurzfristiges System basierend auf einem 20-tägigen Breakout
System 2 – Ein einfacheres langfristiges System basierend auf einem 55-tägigen Breakout

Breakouts

Ein Breakout ist definiert als Überschreitung der maximalen oder minimalen Kurshöhe einer bestimmten Anzahl an Handelstagen. Folglich bedeutet ein 20- tätigiges Breakout, dass der Wertpapierpreis das Hoch bzw. Tief der vorangegangenen 20 Tage nach unten oder oben überschreitet.

Bedeutung der Kontinuität

Da die meisten Erträge eines bestimmten Jahres mit hoher Wahrscheinlichkeit
lediglich mit zwei oder drei großen Gewinntrades erzielt wurden, wurden die
Turtles dazu angehalten, die Eintrittssignale konstant zu befolgen. Sollte ein
Handelssignal absichtlich übergangen oder versäumt werden, konnte dies die
Rückläufe des ganzen Jahres enorm beeinträchtigen.

Gerade die Turtles mit den besten Ergebnissen im Trading haben die Signale
kontinuierlich befolgt. Solche mit den schlechtesten Leistungen sowie all
diejenigen, die aus dem Programm vorzeitig entlassen wurden, schafften es
nicht, beständig nach den Signalen zu handeln.

Stopps

Es gibt ein Sprichwort, das besagt: „ There are old traders; and there are bold traders; but there are no old bold traders.“ Trader, die keine Stopps setzen, gehen pleite.

Die Turtles haben immer Stopps eingesetzt.

Halten wir uns eine Sache vor Augen: Aus einer Verlustposition wieder herauszukommen, ist eine schwierige Sache. Deshalb werden Trader, die ihre Verluste nicht begrenzen, langfristig keinen Erfolg haben. In fast allen Beispielen, in denen das Trading außer Kontrolle geriet und selbst Kreditinstitute finanziell in Gefahr gebracht wurden, konnten sich aus Trades riesige Verluste entwickeln. Denken Sie an die Barings Bank, an Long-term Capital Management und an viele andere. Und das hatte folgenden Grund: Die Positionen wurden nicht verkauft, als die Verluste noch gering waren.

Die Stopps der Turtles

Verlustlimits zu haben, bedeutet nicht, dass die Turtles immer tatsächlich Stop Orders mit den Brokern vereinbart hatten.
Da die Turtles immens große Positionen hielten, wollten sie nicht durch die Platzierung von Stop Order mit den Brokern unsere Positionen oder unsere Trading-Strategien offenlegen. Stattdessen wurde ein bestimmter Kurs festgelegt, dessen Eintreffen uns zum Schließen der Position entweder über eine Limit Order oder über eine Marktorder veranlasste.

Das Setzen der Stopps

Die Stopps wurden von den Turtles in Abhängigkeit des Risikos einer Position gesetzt. Dabei konnte bei einem Trade ein maximales Risiko von 2 % eingegangen werden.
Da eine Einheit von N einem Prozent der Kontengröße entspricht, ergeben sich für den maximalen Stopp mit einem Risiko in Höhe von 2 % zwei Einheiten von N. Die Turtles setzten demnach bei Long-Positionen die Stopps zwei N unter dem Einstiegskurs, bei Short-Positionen dagegen zwei N über dem Entry.

Der Nutzen der Turtle Stopps

Da die Stopps der Turtles auf N basierten, waren sie an die Marktvolatilität angepasst. Unbeständigere Märkte hatten deshalb zwar großzügigere Stopps, aber gleichzeitig wurden weniger Kontrakte pro Unit gehandelt. Dieser Umstand teilte das Risiko auf alle Entries auf und führte somit zu einer besseren Diversifikation und zu einem robusteren Risikomanagement.

Exits

Es gibt ein weiteres altes Sprichwort: „ You can never go broke taking a profit.“ Die Turtles würden dieser Aussage nicht zustimmen. Gewinnpositionen zu früh zu schließen, ist einer der am weitesten
verbreiteten Fehler beim Handel nach dem Trend-Following-Ansatz.

Börsenpreise steigen nicht kontinuierlich, sie folgen einem Trend. Falls man einen Trend handelt, ist es zeitweise erforderlich, eine entgegen gesetzte Kursentwicklung in Kauf zu nehmen. In frühen Phasen eines Trends kann das oft bedeuten, dass man dabei zusieht, wie Gewinne in Höhe von 10% bis 30% zu kleinen Verlusten werden. In der Mitte eines Trends sind es bereits Gewinne von 80 % bis 100 %, die auf 30 % bis 40 % fallen. Die Versuchung, zur Sicherung der Gewinne die Position teilweise zu schließen, kann sehr groß sein.

Die Turtles wussten, dass die Wahl des Zeitpunkts, an dem eine Gewinnposition geschlossen wird, entscheidend dafür ist, ob man am Ende als Gewinner oder Verlierer dasteht.

Die Exits der Turtles

Der Exit beim System war ein 10-tägiges Tief für Long- und ein 10-tägiges Hoch für Short-Positionen. Alle Units einer Position wurden abgestoßen, falls der Preis die festgelegte Grenze durchstiess.

Die Schwierigkeit an Exits

Für die meisten Trader waren die Exits wahrscheinlich der einzig schwierige Teil der Turtle System-Rules. Indem man auf ein neues 10- oder 20- tägiges Tief wartet, sieht man oftmals wie sich bedeutende Gewinne in Höhe von 20%, 40% oder sogar 100% in Luft auslösen.

Die Strategie der Turtle Trader

Fazit

Sie haben nun die Regeln des kompletten Turtle Trading Systems kennen gelernt. Sie dürften Ihnen nicht allzu kompliziert erscheinen. Jedoch reicht allein die Kenntnis der Regeln nicht dazu aus, das große Geld zu machen. Denn sie müssen in der Lage sein, sie auch zu befolgen. Rufen Sie sich noch einmal die Worte von Richard Dennis in Erinnerung: : „I always say that you could publish my trading rules in the newspaper and no one would follow them. The key is consistency and discipline. Almost anybody can make up a list of rules that are 80% as good as what we taught people. What they couldn’t do is give them the confidence to stick to those rules even when things going bad.” – Market Wizards, Jack D. Schwager.
Vielleicht ist der beste Beweis für den Wahrheitsgehalt dieser Aussage die eigene Leistung der Turtles: Viele von ihnen machten kein Geld. Und das lag nicht an den Regeln, sondern daran, dass sie die Regeln nicht befolgten oder befolgen konnten. Genau aus dem gleichen Grund werden nur wenige Leser dieses Dokuments erfolgreich mit dem Trading nach den Turtle Trading-Rules
sein. Nochmals, das liegt nicht daran, dass die Turtle-Methode nicht funktioniert. Es liegt vielmehr daran, dass die entsprechenden Leser einfach nicht das Vertrauen haben, den Regeln zu folgen.
Ohne Frage, das konsequente Befolgen der Turtle-Rules ist äußerst schwierig,da sie darauf abzielen, relative seltene und anhaltende Trends zu erwischen.
Demzufolge können viele Monate zwischen Gewinnperioden vergehen, manchmal sogar ein Jahr oder zwei. In diesen Phasen kommen leicht Zweifel an dem System auf, die einen dazu veranlassen, die Regeln nicht weiter zu befolgen:

Was ist, wenn das System nicht mehr funktioniert und sich die Marktgegebenheiten verändert haben?

Was, wenn das System einen bedeutenden Faktor unberücksichtigt lässt?

Wie kann ich mir wirklich über die Funktionsfähigkeit der Turtle-Methode sicher sein?

Eines der ersten Mitglieder der Turtles, das noch vor Ablauf des ersten Jahres gefeuert wurde, war sehr bald der Ansicht, dass gewisse Informationen absichtlich von der Gruppe ferngehalten wurden. Irgendwann war er davon überzeugt, dass es verborgene Geheimnisse gab, die Rich nicht preisgeben wollte. Dieser bestimmte Trader konnte der Tatsache nicht ins Auge sehen, dass seine schlechten Ergebnisse von seinen eigenen Zweifeln und Unsicherheiten herrührten. Denn diese hinderten ihn an der konsequenten Anwendung der Regeln.

Ein weiteres Problem ist die Veranlagung, Regeln verändern zu wollen. Viele Turtles änderten auf subtile Art und Weise die Regeln, um das Risiko des Handelssystems zu reduzieren. Mitunter hatte dies genau das Gegenteil zum Ergebnis.

Weiterführende Studien

Der Humorist Barry Le Platner sagte einmal: “Good judgement comes from experience, and experience comes from bad judgement.”

Wollen Sie ein Trader werden, dann müssen sie mit dem Handeln anfangen. Sie können diese Erfahrung mit nichts anderem ersetzen. Dabei müssen Sie auch Fehler machen.
Zum Traden gehört es genauso dazu, Fehlentscheidungen zu treffen. Falls Sie mit dem Traden beginnen, ohne reales Geld einzusetzen oder ohne eine ausreichende Geldmenge einzusetzen, so dass Gewinne und Verluste für Sie spürbar sind, werden Sie nicht alle Facetten des Tradings erlernen.
Auf einem Blatt Papier zu handeln, ist kein Ersatz für den Handel mit realem Geld. Sie werden nicht lernen wie Hoffnung, Angst und Gier Sie persönlich ergreift.
Gleichzeitig ist es wichtig, dass Sie die Grundlagen des Trading verstanden haben. Bewaffnet mit diesem Wissen werden Sie weniger Fehler machen und Sie werden viel schneller aus ihren Fehlentscheidungen lernen.
Nachfolgend finden Sie einige empfohlenen Themen für weiterführende Studien:

Die Rolle der Psychologie

Die Psychologie ist beim Trading ein äußerst wichtiger Faktor. Seine eigene Persönlichkeit im Hinblick auf das Verhalten beim Trading zu kennen, ist nicht leicht. Es geht nicht darum, ein Psychologiebuch ausfindig zu machen, das Ihnen alle Antworten liefert. Vielmehr sollten Sie versuchen, sich ehrlich und .aufgeschlossen mit sich selbst auseinander zu setzen.

Money Management

Das Money Management ist die wichtigste Komponente eines mechanischen Handelssystems. Eine Risikokontrolle, die ermöglicht, dass Handelsaktivitäten auch in unvermeidbaren Verlustperioden fortgeführt werden können, so dass diese überstanden werden, um das Ertragspotenzial von guten System zu erkennen, ist absolut elementar. Noch ist das Zusammenspiel von Einstiegssignalen, Exits und Money Management teilweise unerforscht. Studien und Forschungstätigkeiten für die neuesten Techniken im Bereich Money Management werden sich daher enorm bezahlbar machen.

Tradinganalysen

Für die Entwicklung mechanischer Handelssysteme sind genaue statistische Untersuchungen historischer Daten unersetzbar. In der Praxis sind deshalb Kenntnisse in der Programmiersprache wichtig, um Simulationen über die Ertragsentwicklung eines Handelssystems ablaufen lassen zu können.
Im Internet und in Büchern finden Sie eine ausreichende Menge an Informationen über Kurvenanpassung, Überoptimierung, statistische Methoden und Prüfverfahren. Die Informationen sind jedoch nicht immer ganz einfach zu finden.
Seien Sie skeptisch, aber gehen Sie trotzdem offen an die Sachen heran, dann werden sich Ihre Nachforschungen auszahlen.

Abschließende Warnung

Es gibt zahlreiche Personen, die versuchen, sich und ihre Ratschläge für sachkundig zu verkaufen. Vertrauen Sie nicht blind den Hinweisen dieser selbsternannten Experten. Die zuverlässigsten Auskünfte bekommt man von denjenigen, die ihr Geld mit dem Trading verdienen, nicht mit dem Verkauf von Trading-Methoden. Es gibt zahlreiche Bücher und Biografien, die Einblicke in die Praktiken all derjenigen geben, die erfolgreiche Trader waren – oder noch immer sind.

Wie man ein guter oder sogar ein ausgezeichneter Trader wird, ist erlernbar. Aber das bedeutet eine Menge harte Arbeit und erfordert ein gesundes Maß an Skepsis. Diejenigen unter uns, die sich für diesen Weg entscheiden, begeben sich auf eine endlose Reise. Denn schaffen sie es, erfolgreich zu bleiben, werden sie nie im Ziel ankommen. Sie lernen aber, Gefallen an der Reise an sich zu finden.

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